Brachflächen per Mausklick aktivieren

Dagmar Hotze im Gespräch mit Stefan Müller-Schleipen, Geschäftsführer der Immovativ GmbH

Dagmar Hotze: Herr Müller-Schleipen, mit Kip.net bieten Sie Kommunen eine Onlineplattform zur Vermarktung von Immobilien und Grundstücken. Worin unterscheidet sich Ihre Plattform von der, einschlägiger Anbieter, auf der Städte ihre Liegenschaften doch auch platzieren könnten?        

Stefan Müller-Schleipen: Wir bieten mit Kip.net den Kommunen und Wirtschaftsförderungen nicht nur eine Vermarktungsplattform, sondern unser digitales Stadtentwicklungssystem ermöglicht es den Kommunen, den aktuellen Herausforderungen heutiger Stadtentwicklung wie Flächenidentifizierung und -aktivierung zur Wohnraumschaffung, Leerstandsbekämpfung, Standortmarketing und Bürgerbeteiligung digital zu begegnen. Insbesondere unser KIP Modul „Innenentwicklung“ ist den Kommunen - durch Einsatz einer iPad-App - behilflich, ihre Innenpotenziale zu identifizieren, digital zu erfassen und anschließend über unser Immobilienportal zu vermarkten.


Frankfurt nutzt geschlossenen Datenraum  

Dagmar Hotze: Welche Kommunen nutzen Ihren Service? Metropolen wie Berlin, Frankfurt oder München wahrscheinlich doch nicht, denn denen werden die Grundstücke auch ohne Portal und Werbung aus den Händen gerissen.

Stefan Müller-Schleipen: Wir haben in Deutschland über 500 Kommunen als Kunden. Das reicht von kleinen Kommunen, denen wir KIP über die Verbandsgemeinde zur Verfügung stellen, bis zu unserem größten Kommunalkunden der Stadt Frankfurt. Diese Kommunen stehen vor komplett unterschiedlichen Herausforderungen: Kommunen in strukturschwachen Regionen kämpfen gegen Leerstand, in Metropolregionen wie Frankfurt werden den Kommunen, wie Sie sagen, die Immobilien geradezu aus den Händen gerissen. Weil dort die Immobilien sehr begehrt sind, betreibt die Wirtschaftsförderung Frankfurt unser KIP Modul „Geschlossener Immobiliendatenraum“ als nicht-öffentlichen Marktplatz. Unser größter Kunde ist die hessische Wirtschaftsförderung, für die wir das Standortinformationssystem des Landes Hessen betreiben. Hier sind alle Gewerbeflächen Hessens in einem Flächenkataster erfasst und werden digital in einer Kartenansicht dargestellt.

So einfach wie Click-and-Collect

Dagmar Hotze: Was ist denn, wenn ein Projektentwickler eine Brachfläche oder eine leerstehende Immobilie auf Ihrem Portal entdeckt hat und sich dafür interessiert, sie zu entwickeln bzw. zu reaktivieren. Tritt er dann per Mausklick mit dem Bauamt in Kontakt, schildert sein Begehren und wird vor Ort zum Termin empfangen?

Stefan Müller-Schleipen: Ja, genauso kann man es darstellen. Wir bieten dem Interessenten, egal wo er sich gerade befindet, alle relevanten Informationen die er zur Beurteilung einer Fläche oder Immobilie braucht. Dann kann er mit einem Mausklick die Fläche anfragen und online reservieren. Den genauen Ablauf definiert aber die Kommune selbst. Wir liefern den Kommunen die digitalen Instrumente dafür. Dabei decken wir die gesamte Entwicklung einer Fläche oder Immobilie digital ab. Von der mobilen Identifizierung, Erfassung, Digitalisierung mit unserer neuen iPad-App bis zur Quantifizierung und Aktivierung von Entwicklungsarealen wie Brachflächen und Baulücken sowie der anschließenden Vermarktung, wird der gesamte Prozess über unser digitales Stadtentwicklungssystem komplett digital abgebildet.

Bürger investiv beteiligen

Dagmar Hotze: Seit etwa einem Jahr kooperieren Sie mit Exporo. Warum dieser Schritt?

Stefan Müller-Schleipen: Wir erachten es für erfolgreiche Stadtentwicklung als TEA sehr wichtig, die Bürger frühzeitig und umfassend über geplante Entwicklungen innerhalb von Städten und Kommunen zu informieren. Gemeinsam mit Exporo haben wir überlegt, wie es gelingen kann, die Bürger für kommunale Entwicklungsprojekte zu begeistern. So sind wir auf die Idee gekommen, die Bürger investiv/finanziell an Stadtentwicklung zu beteiligen und haben deshalb dafür das KIP Modul „Bürgerfinanzierung“ entwickelt. Kurz gesagt, die Bürger unterstützen über eine Schwarmfinanzierung kommunale Entwicklungsprojekte und können dabei noch finanziell partizipieren.

Neue Wege eröffnen   

Dagmar Hotze: Wo sehen Sie Potenzial für Ihre Idee? Könnte sie unter Umständen dazu dienen, innovative Immobilienprojekte abseits der Großstädte zu realisieren? Die Gründung von KoDörfern und Coworking-Retreats ist in ländlichen Regionen gerade sehr angesagt.

Stefan Müller-Schleipen: Wir wollen vor allem neuen Schwung in die Köpfe bringen und das scheint uns zu gelingen. Es gibt Anfragen, ob man die Bürgerfinanzierung nicht auch als eine Art Bürgerfonds oder Bürgerstiftung aufsetzen könnte, um stadtgeschichtlich wichtige Immobilien vor unlauteren Zugriffen zu schützen und das Stadtbild zu erhalten. Wir halten auch den Bereich gemeinschaftliches Wohnen für unser Instrument sehr interessant. Sie sehen, es gibt viele Ideen und wir sind auf dem richtigen Weg

Dagmar Hotze: Herr Müller-Schleipen, wir danken Ihnen für das informative Gespräch.

  • Text: Dagmar Hotze, freie Journalistin